Grenzübertritt

Nepal - Indien

Nicht jeder Grenzübertritt ist einfach. Bei der Einreise nach Indien auf dem Landweg bedarf es an Vorbereitung und Geduld

Route

Wir haben innerhalb eines Tages die Grenze von Lumbini in Sonauli überquert und sind noch am selben Tag nach Varanasi gereist. Es gibt auch Busse von Kathmandu direkt nach Neu-Delhi. Die rund 38 h Fahrt dieser Variante war uns allerdings zu lange. Wir haben durch den Besuch des Geburtsorts Buddhas in Lumbini, die Reise in mehrere Etappen unterteilt, was wir sehr empfehlen können. Warum wir nächstes Mal nicht Varanasi als erste Indien-Destination wählen würden, erfahrt unten im Bericht. 

Hier ein kurzer Überblick unseres Grenzübertrittes mit Preisen und Transportmittel:

Vorbereitung

Wir wussten nicht, was uns erwartet, deshalb haben wir uns intensiv damit beschäftigt, wie wir von Lumbini in Nepal, nach Indien kommen. Leider fehlten uns dann doch noch viele Infos, weshalb wir diesen Erfahrungsbericht mit euch teilen möchten.

Untenstehend ein paar Tipps zur Vorbereitung:

  • Zugtickets für Indien mindestens eine Woche im voraus buchen entweder bei einer Agentur in Nepal oder über: www.irctc.co.in, leider hat die Online Buchung bei Zahlung mit Kreditkarte bei uns nicht funktioniert -> Ohne gebuchtes Ticket kann es sein, dass ihr lange anstehen müsst und nur Tickets für die niedrigste Klasse bekommt (keinen fixen Sitzplatz)

  • Geld vorab wechseln oder direkt vor dem Grenzübertritt in Belahiya -> Danach wird es teuer, Vorsicht Schlepper

  • Visa für Indien unbedingt (am besten zwei Wochen vorher) anmelden www.indianvisaonline.gov.in, Visa für Nepal "on arrival" oder vorab anmelden unter online.nepalimmigration.gov.np

  • Unbedingt die Abfahrtszeiten der Züge und Busse vor Ort nochmals prüfen, diese können variieren

Erlebnisbericht Grenzübergang

Lumbini - Belahiya

Wir sitzen um 08.30 Uhr in einem Kaffee, und geniessen ein leckeres Frühstück, Chapati Sabji, ein Gericht mit frischem Curry.

Direkt daneben, an der Hauptstrasse Lumbinis, hält alle 10 Min. ein Bus in Richtung Pakadi / Belahiya. Viel Platz bleibt nicht fürs Gepäck, doch wir quetschen uns irgendwie rein und los geht die Fahrt. 

Bereits nach rund 10 Min. sind wir in Pakadi und werden gebeten, unser Gepäck nun auf das Dach zu verfrachten, denn es wird voll im Bus. Wir sitzen direkt neben dem Fahrer und geniessen die letzten ruhigen Momente der Fahrt. 

In Belahiya angekommen, wird alles etwas hektischer. Alle schreien uns nach, "Sonauli? Sonauli?" Wir fragen lieber unseren Busfahrer und er zeigt zu einem Mann, der uns zu einem Jeep bringt. Ein bisschen wie ein Abenteuer, wo man nicht weiss, ob man uns wirklich dahin bringt, wo wir hin möchten.

Bus Pakadi, Lumbini
Bus Pakadi, Lumbini

 

Belahiya - Grenze Belahiya

Bevor wir einsteigen, fragen wir nach dem Preis, sonst wird gerne ein höherer Preis nach der Fahrt gefordert. Wir bezahlen gleich viel für diese kurze Fahrt mit dem Sammel-Jeep, wie für den Bus von Lumbini nach Belahiya. Naja, muss wohl sein, denn es fährt kein Bus zur Grenze. Zu elft und mit einer Menge Gepäck auf dem Dach, sind wir schon nach 5 Minuten an der Grenze. An diesem Punkt sollte man noch das Geld wechseln. Wir haben leider erst auf der anderen Seite versucht unseres zu wechseln. Leider haben wir dort keine offiziellen Wechselstuben gefunden.

Jeep Sonauli, Pakadi
Grenübergang Sonauli Nepal - Indien

 

Grenze Belahiya - Sonauli

Auch hier geht es hektisch zu und her. Alle Fragen, ob wir mit einer Rickshaw über die Grenze wollen. Wir entscheiden uns aber zu laufen, die Grenze liegt ja direkt vor unserer Nase. 

Wir sind etwas verwirrt, als wir bei einem Kontrollposten ankommen und unsere Papiere vorlegen. Weil wir das zweite Mal mit unserem Multiple-Entry-Visa in Indien einreisen, ist die Kontrolle nach nicht einmal 2 Minuten erledigt. Nur komisch, dass wir keinen Stempel von der nepalesischen und / oder indischen Seite bekommen. Die Sicherheitsleute winken uns durch und bitten uns weiter zu laufen. 

Dies war im Nachhinein betrachtet sicher ein Fehler unsererseits - unbedingt beide Stempel für den Pass einholen. Spätestens beim ausreisen in Indien, stellen die Beamten fest, das die Einreise fehlt, denn diese wird elektronisch hinterlegt. Für uns bedeutete dies rund 30 Min. Verspätung am Flughafen bei unserer Ausreise, was aber nicht weiter tragisch war. Wir hatten Glück und trafen auf einen sehr freundlichen und hilfsbereiten Zollangestellten in Neu-Delhi.

Zu Fuss gehen wir weiter entlang der Strasse, wo viele Shops Smartphones, jedoch keine Sim-Karte anbieten. Schade, wir wollten eigentlich für Indien schnellstmöglich wieder Internet haben.

Nach rund 10 Min. kommen wir bereits bei einer Busstation an.

Grenzübergang Sonauli

 

Sonauli - Gorakhpur

Natürlich wollen wir am ungünstigsten Punkt Geld wechseln, direkt bei der Busstation (Den Bus kann man nur mit Indischen Rupien bezahlen). Das uns ein netter Herr, angeblich vom Busunternehmen, zuerst zum richtigen Bus bringt und uns mit dem Geldwechsel behilflich sein will, stellt sich 5 Minuten später als erster Schwindel heraus. Angefangen hat das mit dem überteuerten Wechselkurs, bei dem wir dankend nein sagen. Wir sitzen in den Bus, in der Hoffnung, das wir die Tickets mit nepalesischen Rupie (NRP) bezahlen können. Wieder mit dabei unser "hilfsbereiter" Kollege. Nach erneutem Hin und Her, einigen wir uns letztlich auf einen Wechselkurs, bei dem wir wenig verlieren, aber dennoch einen kleinen Anteil wechseln, damit wir wenigstens etwas haben. Aber irgendwie merken wir, etwas stimmt hier nicht. Dabei wird unser Helfer immer aufdringlicher und verlangt, dass wir alles wechseln sollen. Wir insistieren, dass wir nicht mehr wechseln möchten.

Dann geht es um das Busticket und er will erneut, dass wir mit NRP bezahlen. Ich frage skeptisch wieso? Genau deshalb haben wir ja jetzt Geld gewechselt? Daraufhin gebe ich ihm die indischen Rupien (IRP) und er wird zunehmend aggressiver.

Endlich gibt er uns die Tickets und unser Rückgeld. Die Tickets hat er bei einer Art Kondukteur im Bus geholt. Nur blöd, dass auf dem Ticket steht, wieviel die Fahrt nach Gorakhpur kostet. Dabei wird uns klar, dass er uns um rund 250 IRP prellen will. Ich frage ihn, noch mit höflicher Stimme, wo der Rest ist und er gibt mir als Antwort, unser Gepäck koste ebenfalls.

"Blödsinn", denke ich. Genau über diese Masche habe ich zuvor gelesen. Nun werde ich zunehmend lauter und verlange unser restliches Geld zurück. Er gibt uns, nach kurzem hin und her, ein paar zerknitterte Rupien, doch es fehlt weiterhin ein grosser Teil. Im Bus sitzen mehrere Leute, sowie der Kondukteur und interessieren sich wenig für unsere Auseinandersetzung, also werde ich zunehmend lauter und verlange sofort unser Geld zurück. Stocksauer gibt er uns endlich den Rest und steigt noch während der Fahrt aus. 

Was für ein Start in Indien... Und rückblickend etwas naiv unsererseits ;)

Bus von Sonauli nach Gorakhpur

 

Gorakhpur - Bahnhof Gorakhpur

Nach über 5 Stunden Fahrt (und keiner Pinkelpause), sind wir in Gorakhpur angekommen. Rund 1 Km entfernt liegt der Bahnhof in Richtung Norden. Wir entscheiden uns zu Fuss zu gehen. Rückblickend würden wir empfehlen, eine Fahrrad Rickshaw zu nehmen. Bei rund 20 Minuten Fussmarsch, durch teils dichten Verkehr und staubige Strassen, wäre dies etwas angenehmer gewesen.  

 

Bahnhof Gorakhpur - Varanasi

An diesem Punkt gilt zu erwähnen, dass man in Gorakhpur auch gut direkt am Bahnhof übernachten kann, insofern man sich für den Grenzübergang mehr Zeit lassen möchte. Gerade um Zugtickets über eine Agentur in der Stadt zu buchen, kann sich das lohnen. 

Wir entscheiden uns am Bahnhof zu prüfen, wann ein Zug fährt und erfahren, dass um 15.30 ein Zug nach Varanasi geht. Die Ankunftszeit ist um ca. 23.00 Uhr abends. 

Fabienne sitzt mit dem ganzen Gepäck in der Wartehalle, während ich am Ticket-Schalter anstehe. Rund 13 Schalter sind offen, aber die Schlangen sind richtig lange und es geht nur träge vorwärts.

 

Nach rund 1 Stunde bin ich fast vorne, als ich sehe, wie genau der Schalter, bei welchem ich anstehe, dicht gemacht wird. Dabei sehe ich, wie die Leute sich bei anderen Schaltern vordrängeln möchten oder sogar Geld anbieten, damit Sie noch ein Ticket kriegen. Was für ein Moment! 

Da uns die Zeit davon rennt, gehe ich direkt zum "Train Manager". Sie sind sehr freundlich und sagen mir, ich kriege direkt ein Ticket am Schalter, es werde jemand mitkommen. 

Ein Schalter ist geschlossen, es sitzt jedoch jemand dahinter. Dort kriege ich ohne Umwege ein Ticket, jedoch nur für die einfachste Klasse. Wir entscheiden uns diese dennoch zu nehmen, weil wir nur noch weg aus dem Getümmel und Fabienne weg von den unverblümt starrenden Männer wollen. 

Als ich mit den Tickets von der Kasse weglaufe, drängeln sich bereits Einheimische an diesen Schalter. Doch der Mitarbeiter stösst seine eigenen Landsleute auf sehr aggressive weise weg und schliesst den Schalter sofort wieder. Dabei wird uns das Kasten-Denken das erste Mal vor Augen geführt.

 

Etwas erleichtert, aber mit einem ungewissen Gefühl, gehen wir zum Bahnsteig. Dort wird uns klar, einen freien Sitz gibt es in dieser Klasse keinen. Der Zug ist bereits sehr voll, wer zuerst kommt, malt zuerst! Fabienne fühlt sich sichtlich unwohl, weil viele Männer sie auch hier ungeniert anstarren. Ebenfalls hat sie grossen Respekt davor, in ein Abteil zu gehen, wo nur Männer sitzen. Also suchen wir uns eines mit Frauen und Kindern. Dabei sehen wir, wie Leute auf den hölzernen Gepäckablagen oberhalb der Sitze liegen, wir entscheiden uns ebenfalls je auf einer der Gepäckablagen platz zu nehmen. Die Leute im Zug sind sehr behilflich. Trotzdem lasten die Blicke der Männer unentwegt auf Fabienne.

Der Zug fährt los, endlich! Während der Zugfahrt gibt es immer wieder Essen durch das Fenster, das wir dann auch probieren. Lecker und super günstig! Nach rund 7 Stunden Fahrt, starken Hinternschmerzen und ein paar netten Gesprächen mit den Einheimischen, kommen wir endlich in Varanasi an.

Ein Mitfahrer ist sehr zuvorkommend und empfiehlt uns, über Ola oder Uber eine Fahrt zum Hostel zu buchen. Weil wir bis dato keine Sim-Karte gekauft haben, bucht er mit seinem Telefon eines für uns. Das erspart uns die langen Diskussionen um überteuerte Fahrten ins Zentrum. 

Dankbar und erschöpft gelangen wir zu unserem Hostel, welches in einer kleinen Nebengasse liegt. 

 

Was für ein Tag!

Zug von Gorakhpur nach Varanasi

  • Ein Grenzübertritt ohne gebuchte Tickets ist grundsätzlich möglich, wir würden jedoch in Zukunft zumindest das Zugticket vorgängig z.B. über eine Agentur in Nepal buchen. Die Plätze in Zügen sind oft Wochen vorher ausgebucht und eine Reise in der niedrigsten Klasse ist ein Erlebnis, aber definitiv auch anstrengend. Agenturen in Indien haben oft Zugriff auf ein kleines Kontingent für Touristen reservierter Tickets in höheren Klassen, auch kurzfristig

  • Geldwechsel unbedingt vor dem Grenzübertritt in Sonauli, auf der nepalischen Seite organisieren

  • Am Zoll beider Länder den Übertritt im Pass stempeln lassen

  • Im Bus in Indien gibt es immer einen Kondukteur, dieser druckt einem das Ticket mit dem aktuellen Preis aus. Die Preise müssen nicht verhandelt werden, da diese im System hinterlegt sind. Und nein, für Gepäck muss nicht zusätzlich bezahlt werden

  • Frage lieber den Fahrer oder Kondukteur nach dem nächsten Bus oder Weg - an Transit Orten sind die zuvorkommenden Leute leider oft Schlepper

  • Eine Übernachtung in Gorakhphur ist eine gute Möglichkeit, es gibt Hotels direkt am Bahnhof, das kann das Reisen etwas entspannter gestallten und man hat Zeit, um ein Ticket vor Ort am Bahnhof oder in einer Agentur zu buchen

  • In Gorakhpur gibt es keinen Touristenschalter, eine Buchung (mit kleiner Provision) über eine Agentur kann Zeit und Nerven sparen

  • Eine Sim-Karte mit Internetzugriff ermöglicht eine einfache Buchung für ein Taxi vom Bahnhof. Wo kein Uber fährt, gibt es oft Ola. Sonst gilt: Preise immer im voraus abmachen und vorab vergleichen. Währung in der Preisverhandlung immer erwähnen.

  • Varanasi ist kulturell sehr spannend, als Start für Indien kann es aber anstrengend werden. Es ist laut, hektisch, als Frau muss man mit vielen Blicken rechnen, Fotos werden von einem gemacht, ob man will oder nicht und die Hygiene, sowohl auf Strassen als auch in den Küchen lässt zu wünschen übrig (Wir hatten ab Varanasi lange mit Magenproblemen zu kämpfen) -> Es gibt ruhigere Orte für den Start in Indien

  • Es gibt Busse direkt von Kathmandu nach Delhi. Die Fahrt dauert ca. 38h. Wer nicht gerne solange an einem Stück reist und keinen Flug buchen möchte, dem empfehlen wir einen Halt in Lumbini, dem Geburtsort von Buddha und allenfalls ein Stopp in Gorakhpur, für die weitere Organisation der Zugfahrt

  • Den Grenzübergang empfanden wir als sicher, die Leute waren auch immer wieder sehr behilflich. Als Frau muss man akzeptieren, dass man oft angestarrt wird; eine korrekte Kleidung bereits vorausgesetzt. In den Zügen sind Alleinreisende Frauen in der 2. Klasse (4er Abteil mit Betten, offen zum Gang) am besten aufgehoben. 

 

 

 

Fazit

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©2018 by Fabienne und Daniel